Inhalt Schachgedichte Kommentierte Schachpartien in Reimkultur
Alle Gedichte: © Stefan Pölt 2015

  Startseite

  Witzgedichte

  Verdichtete Märchen

  Gesundheit

  Natürliches

  Menschliches

  Sport, Spaß & Spiel

  Schreiberlinge

  Weihnachtsgedichte

  Nonsensgedichte

  Limericks

  Kuzgedichte

  Schüttelreime

  Eingestanztes

  Urlaubsgedichte

  Schachgedichte
    - Dichtung oder Wahrheit 1
    - Dichtung oder Wahrheit 2

  Nicht ganz stubenreim

  Linksammlung

Dichtung oder Wahrheit? - Teil 1

1. e4    e5

Das fängt gut an, das Spiel wird offen
und lässt auf Kampf und Spannung hoffen.

2. Sf3

Ich hab's geahnt, schon greift er an
und macht sich an den Bauern ran.

2. ... Sc6

Das war nicht schwer, hab's schon gecheckt,
der Bauer wird sofort gedeckt.

3. Lc4

Für Spanisch war's ein Schritt zu klein,
so muss es Italienisch sein.

3. ... Sf6

Ist klar, dass dies, wer es denn kennt,
Zweispringerspiel im Nachzug nennt.

4. Sg5

Was soll ich zu solch Frechheit sagen?
Der will dem König an den Kragen.

4. ... Lc5

Statt Abwehr ist der Kampf mir lieber,
ich geh zum Gegenangriff über.

5. Sxf7

Das Läuferschach wär auch nicht schlecht
und Gier hat sich schon oft gerächt.
Mit Gabeln will er mich verspeisen,
doch dass das geht, muss er beweisen.

5. ... Lxf2+

Bevor die Dame sich bewegt,
wird erst sein König freigelegt.

6. Kf1

Er will wohl meinen Läufer nicht
und zieht nur weg, der feige Wicht.
Ansonsten käm das Springerschach
und auf h4 die Dame nach.

6. ... De7

In dieser feigen Variante
verzieh ich mich mit meiner Tante.

7. Sxh8

Na gut, den Turm, den hat er mehr,
doch mach ich ihm das Leben schwer.

7. ... d5

Die Linien auf, aus vollen Rohren
gibt's seinem König auf die Ohren.

8. exd5

Hätt mit dem Läufer er geschlagen,
ging's seiner Dame an den Kragen.

8. ... Sd4

So aber will ich vorwärts springen
und auch das Pferd in Stellung bringen.

9. d6

Den Zwischenzug, muss ich gestehen,
den hab ich völlig übersehen.
Sein Läufer ist zurück im Spiel,
doch nutzen soll ihm das nicht viel.

9. ... cxd6

Den Bauern muss ich erst entfernen,
dann soll er mich mal kennen lernen!

10. c3

Der Zug verfolgt den Doppelzweck:
Jagt meinen schönen Springer weg,
auch seine Dame kann jetzt fliehen,
sollt ich mal Läufer g4 ziehen.

10. ... Lg4

Nur raus mit allen Offizieren.
Wenn schon, will ich mit Stolz verlieren.

11. Da4+

Dies Schach, das kann mich gar nicht schocken,
ich wollt die Dame abseits locken.

11. ... Kf8

So will ich mal, höflich gebeten,
'nen kleinen Schritt zur Seite treten.
Er kann jetzt zwei Figuren schlagen,
doch sollte er sich vorher fragen,
ob das sein König überlebt,
der in Gefahr des Todes schwebt.

12. cxd4

Hätt er den Läufer weggenommen,
wär ihm das auch nicht gut bekommen.
Nach einem kleinen Springerschach
wird bald sein König matt und schwach.
Und auch nach d3, glaubt es mir,
zieht es mein Ross aufs Feld e4.

12. ... exd4

Jetzt werde ich den König hetzen,
die Dame droht schon matt zu setzen.

13. Kxf2

Er muss nun immer weiter fressen,
denn andre Züge kannst' vergessen.
Nach g3 wird's, lass mich nicht lügen,
schachmatt in spätestens 3 Zügen.

13. ... Se4+

Was mir an Klötzchen noch geblieben,
will ich in Richtung König schieben.

14. Kg1

Und weicht er aus auf andre Felder,
erwischt's den König noch viel bälder.
Das weiß sogar - das ist kein Witz
sekundenschnell der gute Fritz.

14. ... Dh4

Und wieder droht die Dame matt.
Nun ja, so wendet sich das Blatt...

15. h3

Ein Schlupfloch für den weißen König,
doch nützt es ihm, ich hoffe, wenig.
Auch g3 brächte ihm kein Glück,
dann geht die Dame schnell zurück.
Und droht von f6 aus ganz platt
ein schönes undeckbares Matt.

15. ... Df2+

16. Kh2    Dg3+

Die Dame schleicht sich langsam an
den armen weißen König ran.

17. Kg1

Bis hierhin war es ganz erzwungen,
doch jetzt wird um den Sieg gerungen.
Remis soll's sein? Dass ich nicht lach!
Ich will schon mehr als Dauerschach.

17. ... Lf3

Jetzt schnüren wir mal wie 'nen Schuh
den König feste ein und zu.

18. Lf1

Versucht er, mit dem Turm zu decken,
dann muss er gleich die Waffen strecken.
Die Dame gibt auf f2 Schach
Und dann dem König eins aufs Dach.

18. ... Sg5

Wer hätte sich denn das gedacht?
Der Springer wird 'ne echte Macht.
Manch Frauen gäben viele Gaben,
um solch eine Figur zu haben...

19. Dd7

Es drohte schon Läufer g2
Und danach Springer auf f3.
Und würd er mir den Läufer fesseln,
dann würde ich ihn ganz einkesseln.
Auf Dame a sowie b drei
Eilt Turm e8 mit Macht herbei.

19. ... Lxg2

Sein König wird vom Schutz befreit,
denn es ist langsam an der Zeit,
das Spiel endgültig zu entscheiden.
Dann muss der Weiße nicht so leiden.

20. Df5+

Drum zog die Dame auf d7,
die Hoffnung ist ihm noch geblieben.

20. ... Kg8

Das Zwischenschach soll ihm nichts nützen,
ich kann den König sicher schützen.

21. Lxg2

Denn würde er die Dame geben
und hoffen, so zu überleben,
dann nähm ich auf g5 zurück.
Und schlägt er dann mein Läuferstück,
kehrt meine Dame frank und frei
zurück aufs Lieblingsfeld g3.

21. ... Te8

Ein Turm, zwei Läufer und ein Springer,
dem Schwarzen fehln 'ne Menge Dinger.
Jedoch bezieht nun Weiß die Prügel
mit seinem lahmen Damenflügel.
Wie sehr er sich auch dreht und windet,
das Spiel nun rasch ein Ende findet.
Das sieht er auch und hat soeben
die Schachpartie schnell aufgegeben.

0 : 1

Engelhardt - Eckmann, corr. 1984

Und die Moral von dem Gedicht:
Verfressen sein, das lohnt sich nicht.
Und die Moral von der Partie:
Verfressenheit, die lohnt sich nie.
Und die Moral von diesem Spiel:
Beim Schach, da frisst man nicht zu viel.


Dichtung oder Wahrheit? - Teil 2

1. d4    e6

Nicht nur beim Sprachkurs bietet man
auch gerne mal Französisch an.

2. c4    b6

3. Sf3    Lb7

Hat die Eröffnung einen Namen?
Erinnert sehr an Indiens Damen.

4. e3    f5

5. Le2

Noch besser wär, mit allen Sachen
das Feld e4 zu überwachen.

5. ... Lb4+

Das ist dann doch etwas gewagt,
Springer f6 war angesagt.

6. Sc3

Aktiver war Läufer d2,
jetzt eilt das schwarze Ross herbei.

6. ... Sf6

7. O-O

Ein Künstler der Entfesselung
verspricht sich davon Besserung.

7. ... O-O

Was er kann, das kann ich schon lange
und gleich kommt meine Flügelzange.

8. a3

Vertreibt den Läufer, doch ist's klug?
Verschenkt unnötig einen Zug.

8. ... Lxc3

9. bxc3    Se4

Mit Tempo eilt das Pferd heran
und greift den Punkt auf c3 an.

10. Dc2    Tf6

Und kraftvoll bläst der schwarze Turm
zum Weißen-Königs-Angriffs-Sturm.

11. Sd2

Er will das Pferd e4 vertreiben,
jedoch, das würde gerne bleiben.
Viel besser stünd die Reiterei
Auf Feld e1 und deckt g2.

11. ... Th6

Der Plan ist nicht zu übersehen,
die Dame will nach h4 gehen.

12. g3

Er will mich nicht nach h4 lassen,
so, so, das könnte ihm so passen.

12. ... Dh4

Die Dame ist bereit, ihr Leben
für ein famoses Matt zu geben.

13. Sf3

Das schützt das Feld h2, oh Mann,
und greift die Dame noch mal an.

13. ... Sg5

Lass Dame doch den Kopf nicht hängen
und hör nicht auf, ihn zu bedrängen.

14. gxh4

Schlägt er die Dame mit dem Pferd,
wird ihm auf h3 matt beschert.

14. ... Sxf3+

15. Lxf3

Auf König h1 folgt ganz platt:
Turm schlägt h4 und dann wird's matt.
Auch auf g2 gibt's eins aufs Dach
mit einem Abzugs-Doppelschach.

15. ... Tg6+

Er muss, ums Matt noch abzuwenden,
den Läufer und die Dame spenden.

0 : 1

Schneider - Pölt,
Hochschulmeisterschaft Dortmund, 1987

Wer hätte mir das zugetraut?
Doch ich geb's zu, es war geklaut.
Denn diese Matt-Kombination
die gab es früher einmal schon:

Defosse - Franck, Brussels 1942